Wie Private Credit die Energiewende in Asien vorantreibt
Produziert in Kooperation mit Bloomberg Media Studios.
Das globale Investitionsvolumen in die Energiewende übertraf 2024 erstmals die Marke von 2 Bio. USD; fast 90 % davon flossen in erneuerbare Energiequellen, Stromnetze und E-Mobilität.
Auf Asien entfällt mehr als die Hälfte des weltweiten Energieverbrauchs; dennoch steigen die Investitionen in erneuerbare Energien dort langsamer, da die Region die Dekarbonisierung mit dem Bedarf an zuverlässiger und erschwinglicher Energie in Einklang bringen muss. Trotz der Fortschritte bei kosteneffizienten Technologien mit geringem CO2-Ausstoß wie Solarenergie, Windkraft und Elektrofahrzeugen ist Asien weiterhin stark von fossilen Brennstoffen, vor allem von Kohle, abhängig. Für viele asiatische Staaten – insbesondere Schwellenländer – sind nationale Klimaziele dadurch noch schwerer zu erreichen.
Energiewende: Wie sich die Investitionslücke schließen lässt
Um Erneuerbare-Energien-Projekte in Asien skalieren zu können, ist es entscheidend, das Anfangskapital für die entsprechende Infrastruktur zu sichern. Während solche Projekte oftmals Vorabfinanzierungen in erheblichem Umfang erfordern, bringen sie auch langfristige Vorteile wie Nachhaltigkeit, eine sicherere Energieversorgung und Wirtschaftswachstum. Im Unterschied zu Projekten für fossile Brennstoffe, die sich auf konventionelle Finanzierungsquellen stützen, bieten Projekte im Bereich erneuerbarer Energien die Möglichkeit, neue und innovative Finanzierungsmodelle zu schaffen, die auch auf die Klimaziele einzahlen. Wenn man bedenkt, dass Teile Asiens zu den vom Klimawandel am stärksten betroffenen Regionen zählen, ist dies ein zentraler Aspekt.
Die heutigen Projekte im Bereich erneuerbarer Energien sind großvolumig und hochkomplex, geprägt von der technologischen Weiterentwicklung, komplexen Finanzierungsstrukturen, längeren Rückzahlungsfristen und marktspezifischen regulatorischen Vorgaben. Das erschwert es traditionellen Kreditgebern, den Finanzierungsbedarf vollständig zu bedienen.
Hierdurch eröffnen sich Möglichkeiten für alternative Finanzierungsoptionen wie zum Beispiel Private Credit, also Darlehen oder sonstiges Fremdkapital von Nichtbanken wie Hedgefonds oder Asset-Managern.
„Private Credit eignet sich dank seiner Flexibilität besonders gut für die Finanzierung grüner Infrastruktur“, so Scott McClurg, Head of Private Credit bei HSBC Asset Management.
„In der Vergangenheit waren Infrastrukturprojekte meist groß und wurden landesweit umgesetzt. Doch die Energiewende erfordert eher lokale Investitionen, deren Umfang typischerweise zwischen 40 und 250 Mio. USD liegt. Infolge dieser Verlagerung hin zu kleineren Projekten hat sich eine Finanzierungslücke aufgetan, denn Banken sind eher auf größere Transaktionen eingestellt.“
Private Credit als Beschleuniger der Energiewende
Private Credit verschafft Kreditnehmern einen schnellen Zugriff auf Finanzierungen, die exakt auf die individuellen Bedürfnisse einzelner Infrastrukturprojekte zugeschnitten sind. So können Private-Credit-Investoren beispielsweise Wandelanleihen bereitstellen, die in Eigenkapital umgewandelt werden, wenn ein Projekt bestimmte Meilensteine erreicht.
Diese Investoren konzentrieren sich häufig auf Projekte im Frühstadium und auf innovative Initiativen für saubere Energie. Bei der Bewertung von Projektrisiken stützen sie sich auf Faktoren wie die Zuverlässigkeit der Technologie, die Erfolgsbilanz der Entwickler, Herausforderungen bei der Umsetzung sowie die Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Mit diesem gezielten Ansatz lassen sich Erfolg versprechende Projekte begleiten, die sonst nur schwer traditionelle Finanzierungen erhalten würden.
„Wir bewerten, ob ein Projekt auf bewährter Technologie aufbaut, ob die Sponsoren über das Fachwissen verfügen, um das Projekt erfolgreich umzusetzen, und ob ausreichend Liquidität vorhanden ist, um potenzielle Verzögerungen abfedern zu können“, erklärt McClurg.
„Wir beschäftigen erfahrene Infrastrukturinvestitionsexperten – Menschen, die wissen, wie man Transaktionen strukturiert und mit Entwicklern zusammenarbeitet, um Projekte anlagefähig zu machen. Das ist ein Prozess, der in der Regel sechs bis neun Monate dauert: So können wir sicherstellen, dass die Finanzierung nicht nur den Projektanforderungen, sondern auch den Erwartungen der Investoren entspricht.“
McClurg betont die zentrale Rolle von Private Credit in diesem Zusammenhang: Für Investoren reduzieren sich so Liquiditätsrisiko wie auch Komplexität.
Er erläutert: „Dieser Ansatz hat sich bereits auf anderen globalen Märkten bewährt. Aus asiatischer Sicht besteht enormes Potenzial.“
Wichtige Akteure für Private Credit in Asien
Private-Credit-Investoren sind nicht isoliert tätig. In Asien spielen Institutionen wie die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) und die International Finance Corporation (IFC) eine entscheidende Rolle bei der Mobilisierung von privatem Kapital für den Sektor der erneuerbaren Energien in der Region. So nutzen diese Institutionen Ansätze wie Blended Finance, Förderkredite und Bürgschaften, um Risiken zu reduzieren und erneuerbare Energieprojekte damit attraktiver für institutionelle Investoren zu machen.
Zudem unterstützen Institutionen wie die ADB auch Regierungen bei regulatorischen Reformen, mit technischer Unterstützung und beim Aufbau öffentlich-privater Partnerschaften und stärken damit die Tragfähigkeit und die langfristige Nachhaltigkeit der Projekte.
Ausblick für Investitionen
Der Schwerpunkt von Private-Credit-Investitionen für die Energiewende in Asien liegt auf großvolumigen Solar- und Windenergieprojekten – vor allem in China, Indonesien und Vietnam, wo ehrgeizige Zielvorgaben für erneuerbare Energien die Nachfrage ankurbeln.
Auch die Modernisierung der Stromnetze hat Priorität, so dass diese erneuerbaren Energiequellen reibungslos integriert werden können. Gleichzeitig werden Energiespeicherlösungen wie Batterieprojekte umgesetzt, um die Netzstabilität zu verbessern und der Schwankungsanfälligkeit von Solar- und Windenergie zu begegnen.
Aus Sicht von McClurg sind die erfolgreicheren privat finanzierten Energieprojekte oft eher einfach. Dabei verweist er auf kommunale Projekte, bei denen erneuerbare Energiequellen mit Speicherlösungen zu einem effektiven Modell verbunden werden.
„Die Kombination aus Energieerzeugung und Speicherung vor Ort ist nicht übermäßig komplex und zugleich eine bewährte und hochgradig skalierbare Lösung, die sich damit hervorragend für die Branche eignet“, sagt McClurg.
Ein Beispiel für diesen Ansatz sind die auf den Philippinen umgesetzten Mikronetze: Hier werden kleine Solarmodule mit Batteriespeichern und intelligenter Verteilungstechnologie kombiniert, um abgelegene oder unterversorgte Gemeinden verlässlich mit Energie zu versorgen.
Hohes Potenzial für Private Credit
Während Banken nach wie vor die dominierende Finanzierungsquelle in Asien sind, hat sich Private Credit als entscheidendes und innovatives Instrument etabliert, mit dem sich die Finanzierungslücke für die Energiewende in der Region schließen lässt. Dies ist besonders in Schwellenländern von entscheidender Bedeutung, in denen herkömmliche Finanzierungsoptionen häufig knapp oder nicht geeignet sind, um die wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Energieprojekten zu bedienen.
Das aktuelle makroökonomische Umfeld verstärkt diese Verlagerung. Da sowohl das Zins- als auch das Inflationsniveau historisch hoch bleiben dürften, ist davon auszugehen, dass Investoren weiterhin auf der Suche nach inflationsgeschützten, Cashflow-generierende Vermögenswerten sein werden. Diese Faktoren stehen im Einklang mit dem Ziel von HSBC Asset Management, bis spätestens 2030 ein Volumen nachhaltiger Finanzierungen und Investitionen von bis zu 1 Bio. USD einzuwerben.
„Wir möchten unseren Teil beitragen. Die Energiewende bietet erhebliche Chancen, besonders bei Private-Credit-Finanzierungen für die entsprechenden Projekte“, so McClurg.